Ein kurzer Abriss über Bücher - twonoelles

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Prosa/Lyrik > Brigitte
Symbol
Von Büchern und Menschen

Lassen sich Bücher mit Menschen vergleichen?
Ich glaube schon, denn in jedem Buch steckt ein Teil des Geistes, der Seele, des Wissens des Verfassers. Natürlich gibt es darunter auch langweilige und unsympathische Exemplare, wie das eben so ist.
Mich haben Bücher jedenfalls mein Leben lang begleitet und – wie auch viele Menschen – meinen Horizont erweitert, mich getröstet, erheitert, unterhalten.
Schließlich verhalfen sie mir auch zu meinem Wunschberuf. Zugegeben, Bibliothekarin klingt nicht ungemein spannend, und zum Lesen komme ich eher in meiner Freizeit, wo dann die Abenteuer in Leben und Kopf stattfinden.
Vielleicht klingt „Information“ interessanter? Denn genau das mache ich: Bei meiner Arbeit komprimiere ich die Informationen, die im Buch enthalten sind, in einen Datensatz, den sich alle Welt mit Internetanschluss im Katalog ansehen kann. Im journalistischen Bereich, in dem ich früher auch tätig war, geschieht Ähnliches: Informationen werden für die Leser aufbereitet, nur in anderer Form.
Da ich freiberuflich arbeite, habe ich schon eine Reihe von Bibliotheken kennen gelernt, und mein Spezialgebiet sind Alte Drucke, das heißt, Bücher, die zwischen 1500 und 1800 gedruckt wurden.
Wenn man diesen Umstand auf Menschen umlegt, hat man es manchmal mit Fünfhundertjährigen zu tun, ein Ehrfurcht gebietendes Alter.
Sie haben sogar einen Fingerabdruck! Denn gerade bei Alten Drucken kommt es nicht alleine auf den Titel an, sondern es macht auch einen großen Unterschied, um welche Ausgabe es sich handelt. Und da etwa im Jahr 1600 kein Computerausdruck gemacht werden konnte, mussten sich schon die Schriftsetzer und Drucker selbst die Mühe machen, die Bücher Buchstaben für Buchstaben im Bleisatz herzustellen; deswegen heißt es ja auch „Druck“. Und keiner dieser Drucke war ganz identisch mit einem anderen. Einmal rutschte ein Wort auf die nächste Seite, einmal war die Seite eine Zeile kürzer, und so verschob sich der ganze Text. Im sogenannten Fingerprint (eben der oben erwähnte Fingerabdruck) werden Buchstabenfolgen an international standardisierten Stellen (z.B. Seite 13, letzte Zeile, die letzten vier Zeichen) dazu herangezogen, und dadurch kann die Ausgabe genau bestimmt werden.
Das ist auch praktisch, wenn einem Buch etwa die Titelseite abhanden gekommen ist. Das kommt gelegentlich vor, besonders, wenn das Buch im Laufe der Jahrhunderte öfter den Besitzer gewechselt hat und der spätere Eigentümer den Vorbesitz, meistens auf der Titelseite vermerkt, verschleiern wollte.
Einem Buch ohne Titelseite nicht nur den richtigen Titel, sondern auch die passende Ausgabe, zuzuordnen, das ist eine wirklich spannende Arbeit, bei der das Internet mit den vielen Bibliothekskatalogen und mittlerweile auch digitalisierten Drucken eine große Hilfe ist.
Ja, Bücher können die Welt verändern, sie werden sehr alt, sie sind geduldig und lassen ihre Leser die Geschwindigkeit bestimmen.
Dr. Brigitte Noelle
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü